Ina Freiwald - Können Sie strippen?

Liebe Frau Freiwald,

erst einmal möchte ich danke sagen dafür, dass in Ihrem Buch jeder so eloquent zu Wort kommt: der resignierte Langzeitarbeitslose wie die hoffnungsvolle bald-wieder-Fußpflegerin; der Protestjugendliche wie der unvermittelbare Fünfzigjährige; die unverstehenden Kasachen und der Multisprachen-Migrant. Nur einer fehlt mir: der Arbeitgeber. Sie zählen viele Fälle auf, wo Firmen die Zeitarbeit und das Zuschusssystem ausnutzen und Hartz-IV-Bezieher zum Nulltarif arbeiten lassen, oder einen vollen Arbeiter zum Praktikumstarif. Aber wo sind die Arbeitgeber, die wirklich jemanden suchen und einen Björn oder einen Adriano geliefert bekommen?

Das türkische Ehepaar wirft auch eine Frage auf: Wer kümmert sich solange um die Kinder? Ansonsten fand ich die beiden drollig: südländische Geschlechterrollen mal umgekehrt. Amüsant zu lesen ist auch Frau Schubert, aber ich fürchte, für Sie war es alles andere als amüsant, die Dame im Klassenzimmer sitzen zu haben.

Interessant fand ich, dass auch Sie und Ihre Kollegen beinahe zufällig als Lehrer im Kursraum stehen anstatt als Schüler. Sie, die gewesene Reporterin; eine Sozialpädagogin ohne Abschluss; lauter gelernte Was-auch-immer. Gibt es denn niemanden, dessen Traumjob lautet: Jobvermittler?

Und die große Frage, Jahre nach Ihrer ersten "Trainingsmaßnahme" als ARGE-Jobvermittlerin: Sind Sie dabei geblieben, Frau Freiwald, oder haben Sie sich etwas anderes gesucht?

mit freundlichen Grüßen
Christina Widmann

Können Sie Strippen? Aus dem Alltag einer Jobvermittlerin von Ina Freiwald

erschienen 2011 bei Riemann, leider nur als eBuch.
Ich danke für ein Rezensionsexemplar.

Wer das Klassenzimmer einer "staatlich geförderten Trainingsmaßnahme" von innen sehen möchte, ohne sich selber dafür melden zu müssen, der findet das Buch auf Amazon.

Likes

Comments