... über die Über-Dreißig-Krise und die Kunst sich neu zu finden...

Irgendeinen Auslöser gibt es immer, wenn man mit etwas Neuem beginnt oder etwas Altes endlich beendet.

Bei mir fallen mehrere Dinge zusammen: eine schlaflose, alptraumhafte Vollmondnacht, eine Blitzscheidung, ein wahnsinnig süßer Ex-Lover, den man erst im Nachhinein zu schätzen weiß, der einen jetzt nicht mehr will und ein ehemaliger Freund, der nicht weiß, was er will.

Seit einiger Zeit dreht sich mein Gedankenkarussell schneller und intensiver als je zuvor. Und es scheint, als wäre kein Stopp in Aussicht. Also mache ich mich auf die Suche nach dem Grund, dem Auslöser, dem nicht so Offensichtlichem.

Im Grunde glaube ich genau zu wissen, was los ist. Doch alle Versuche dieses Muster, diese Gedanken, diese Handlungen loszulassen, umzuändern, abzulegen, neu zu definieren, scheitern immer und immer wieder. Woher kommt das ganze? Woher kommt die Angst? Woher kommen die Gedanken? Woher kommt die Sorge?

Mein 30er ist vorbei. Ohne mittelschwere Krise.

Rückblickend gesehen hatte ich die Krise vor meinem 30er. Mit dem 30ten Geburtstag schien alles wieder entspannt zu sein. Ich habe mich gefunden, so kam es mir vor.

Doch was ist jetzt los? Nach einem kurzem Flow, währenddem ich alles schaffen, alles haben und alles erreichen konnte, währenddem ich mutig war und mich vieles traute, worüber ich vorher jahrelang nachgedacht hatte, nachdem ich endlich Nägel mit Köpfen machte, mir nahm, was ich wollte und mir zustand, geht’s plötzlich wieder ein Stück bergab. Und ich rutsche und rutsche. Finde keinen Halt.

Dringendst muss eine Änderung her, ganz schnell und am besten unkompliziert, einfach und ohne viel Aufwand.

Doch sich mit sich selber zu beschäftigen geht nicht schnell. Dafür muss man sich Zeit nehmen. Die dafür aufgewendete Zeit muss es einem wert sein. Man muss sich selber wertschätzen.

Ich übe mich nun in Gedankenstrukturänderung – schönes Wort, oder? Humbug für manche. Hilfreiche für viele. Eine Erleichterung für mich. Eine Struktur ist immer starr und vorgegeben und genau aus diesem Gefängnis, aus diesem Kopfgefängnis muss man rauskommen, bevor es einem auffrisst.

Auf meinen langen Waldspaziergängen beginne ich nun darüber nachzudenken, wo genau mein Problem liegt.

Ich bin gesund, habe eine liebevolle Familie, einen witzigen Hund, eine schöne Wohnung, tolle Freunde, bin halbwegs attraktiv und komme mit meinem Geld über die Runden. Alles scheint – nicht perfekt – aber trotzdem akzeptabel.

Was mir fehlt ist ein klein wenig mehr Zufriedenheit - nein, falsch - ich bin zufrieden, aber ich will darüber hinaus – Zufriedenheit ist zu wenig, ich will glücklich sein.

Ist diese Forderung zu frech? Sollte man sich besser mit dem zufrieden geben, was man hat? Darf man mehr fordern und mehr wollen? Was bedeutet Zufriedenheit? Was bedeutet„ glücklich sein“?

Um glücklich sein zu können muss einfach alles passen. So glaubt man. Mit "alles“ meint man die Balance zwischen Job, Freunde, Familie, Freizeit und die Liebe – oder vor allem die Liebe?

Wenn die Liebe fehlt, ist man einsam. Doch schau dich um, die Liebe ist nicht nur die Liebe zwischen Mann und Frau, zwischen Partnern, zwischen zwei Menschen. Man muss auch die andere Liebe sehen lernen. Die Liebe zur Familie, zu Geschwistern, zu Freunden. Das alles gehört viel mehr wertgeschätzt. Denn diese Menschen sind immer da. Immer. Der Mann verschwindet. Immer... liegt hier mein Hund begraben? Ist es das, was mich so beschäftigt? Die fehlende Liebe zu einem Partner?

Wenn ich zurück blicke, musste ich mich immer nur ärgern mit potentiellen Partnern. Immer. Gebranntes Kind sozusagen. Wie so viele. Doch für Gewohnheitstierkopfmenschen wie mich, ist es schwierig zu vergessen. Durch diese Erfahrungen habe ich verlernt zu lieben, Gefühle zu zeigen, Gefühle anzunehmen, Gefühle zuzulassen. Ich liebe heimlich, sozusagen. Ich zeige meinem Gegenüber nicht, wie sehr ich ihn mag. Schutzmechanismus. Und es tut mir so unendlich leid für mich. Ich finde es schade, dass mir dadurch so viel Schönes verwehrt bleibt. So viel Spass, so viel Erlebnisse, so viele schöne Stunden. Es macht mich traurig. So gern würd ich's anders machen, schaffe es nicht und verliere dadurch meine Energie.  Wo blockiert mich was und vor allem was ist es, was mich blockiert? Die Angst vor Zurückweisung? Ich bin stark, ich sollte das aushalten. Aber muss ich es aushalten? Oder fahre ich besser, wenn ich einfach von Anfang an abblocke und versuche immer die Oberhand zu behalten und ein kleines Drama zu veranstalten, bevor es ernst wird, um mich aus der Affäre zu ziehen? Wann habe ich verlernt mich fallen zu lassen? Konnte ich es überhaupt jemals?

Fragen über Fragen. Gedankenkarussell eben. Never ending minds. Horror, sag ich euch, Horror!

Manchmal lässt man jemanden gehen und bekommt sich selbst Stück für Stück zurück.“

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