Der große Tag, an dem die Anreise zu „Holiday on Ice“ begann, war gekommen. Viele Vorbereitungsphasen habe ich bis zu diesem Tage erlebt. Das ständige Ein- und Auspacken hatte ein Ende. Mein Koffer war randvoll. Für diese Reise musste ich ja mein halbes Leben einpacken und ich konnte mich einfach von nichts trennen. Mittlerweile war ich 19, doch es fiel mir immer noch schwer, meine geliebten Kuscheltiere und Glücksbringer in meinem Zimmer zurückzulassen. Ein letztes Mal sprach ich mit Ihnen, versprach auch wieder zu kommen. Tränen flossen, als ich die Türe ins Schloss fallen lies. Ich nahm meinen Koffer, eilte auf die Straße, wo mich mein Freund Stefan mit meiner Mama schon erwartete.

Am 11.11.2003 war Anreisetag bei „Holiday on Ice“. Bereits am nächsten Tag begannen die Proben für die Produktion „Hollywood“. Als wir nach dreistündiger Autofahrt Nürnberg erreichten, erlebten wir gleich eine negative Überraschung. Das reservierte Zimmer glich einem Stundenhotel. Nachdem dies meine Unterkunft für die nächsten Wochen sein sollte, waren wir damit nicht einverstanden. In der Hoffnung, schnell ein anderes Zimmer zu bekommen, suchten wir die Tourismus-Information auf. Inzwischen bekam ich eine SMS von Natalie, meiner neuen Teamkollegin, mit der ich auch die nächsten Wochen zusammen gewohnt habe. Natalie und ich haben sich bereits beim Casting in Wien kennengelernt. Es war ein Glückstreffer, dass wir beide für die gleiche Produktion engagiert wurden. Wir vereinbarten einen Treffpunkt vor der Eishalle in Nürnberg. Auch ihre Enttäuschung über das reservierte Zimmer war groß. Es klingelte das Telefon, die nette Dame von der Tourismus-Information bot uns ein Doppelzimmer in einem Hotel in der Innenstadt an. Sogleich machten wir uns auf den Weg um das Zimmer zu besichtigen. Viel zu überlegen gab es nicht, da es schon dämmerte. Es gab noch viele wichtige Details für den nächsten Tag zu besprechen. Eine ältere Dame hieß uns herzlich willkommen. Zeigte uns sofort das Zimmer, in dem wir schon bei der Ankunft eine heimelige Atmosphäre spüren konnten. Das Zimmer war hell und freundlich, Bad und Toilette schienen sauber zu sein. Meine Kollegin und ich waren uns einig, dass dieses Zimmer für drei Wochen unser Zuhause sein würde. Die Hotelbesitzerin freute sich und lud uns in die gemütliche Küche auf einen guten Kaffee ein. Nach dem gelungenen Kennenlernen war es an der Zeit sich von meinem Freund Stefan und meiner Mama zu verabschieden. Sie mussten ja die Rückreise antreten um am nächsten Tag wieder in der Arbeit zu sein. Wir begleiteten sie zum Auto. Von diesem Moment an flossen viele Tränen. Ein unbeschreibliches Gefühl türmte sich in mir auf. Ich konnte es immer noch nicht fassen, dass ich diesen Schritt gewagt habe um mir meinen Traum von der weiten Welt zu erfüllen. Ein neuer Lebensabschnitt begann.

Nachdem wir alles ausgepackt hatten, ging es an die Vorbereitungen für den ersten Trainings-Tag. Stunden später fielen wir sehr müde ins Bett. Ein ungewohntes Gefühl überkam mich mit den verrücktesten Gedanken. Schließlich wusste ich ja nicht, was mich erwarten würde. Den Abschluss als Europaassistentin von meinem Kurzstudium an der Akademie für Wirtschaft und Sprachen hatte ich zum Glück in der Tasche und konnte mich daher voll und ganz auf das Kommende konzentrieren. Nun war es also soweit. Ich war das erste Mal im Alter von 19 Jahren für längere Zeit von meiner Familie getrennt. Diese Situation war einfach herzzerreißend für mich und holte mich immer wieder ein. Zum Glück hatte ich Nathalie an meiner Seite. Sie hatte alles im Griff. Sie war schon einige Male von ihrer Familie getrennt, schließlich war sie schon zweiundzwanzig. Aber es war mein Wunsch, eine aufregende Zeit zu erleben und viele interessante Städte zu besuchen. Mit „Holiday on Ice“ hatte ich diese Möglichkeit. Jetzt lag es an mir zu zeigen, was wirklich in mir steckte. Meine langjährige Leistungssport-Karriere kam mir jetzt natürlich sehr zu Gute. Denn ohne diese Erfolge hätte ich diese Chance erst gar nicht bekommen.

Am nächsten Tag fuhren wir mit der U-Bahn zur Halle, wo das Training auf der Eisfläche, die direkt von „Holiday on Ice“ aufgebaut wurde, beginnen sollte. Auf den Straßen und in der U-Bahn herrschte reges Treiben. Es war nicht ganz einfach, sich in einer unbekannten Stadt spontan zurechtzufinden. Zusammen schafften wir es jedoch, erreichten pünktlich die Halle und stolzierten voller Erwartungen zu unserem Team. Wir wurden schon erwartet. Sehr höflich wurden wir in einen Nebenraum gebeten, wo wir die ersten Anweisungen entgegennahmen. Motiviert und gut gelaunt machten wir uns für die ersten Proben zurecht, für die wir von den anderen 45 Teilnehmern schon erwartet wurden. Ein Stein fiel uns vom Herzen, denn wir wurden sehr nett aufgenommen. Eine kurze Ansprache mit den wichtigsten Details begann. Vorrangig wurden wir auf die strengen Regeln hingewiesen. Pünktlichkeit und regelmäßige Gewichtskontrollen waren nur zwei von vielen Regeln. Bei Nichtbeachtung musste man mit Geldbußen rechnen, die auch gleich vom wöchentlichen Entgelt abgezogen wurden. Kommuniziert wurde hauptsächlich in Englisch. Ich merkte schnell, dass meine Schulkenntnisse alleine nicht ausreichen würden um die Anweisungen vollständig verstehen zu können und den Anforderungen gerecht zu werden. Viele Nationen aus verschiedenen Erdteilen waren hier zusammengekommen. Ich machte mir Gedanken, ob das alles auch weiterhin so reibungslos verlaufen würde, wie es im Moment aussah. Nathalies Englisch war sehr schlecht, da sie aus der Slowakei stammte. So gut es ging, versuchte ich ihr alles nochmal ein wenig präziser zu erklären.

Es folgte ein sehr professionelles Aufwärmtraining, bei dem man gleich erkennen konnte, dass es hart sein würde, diesen Level zu halten. Man konnte bereits nach dieser kurzen Zeit sehen, wer gut am Schlittschuh stand. Die Proben liefen wie geplant den ganzen Tag mit kleineren Pausen zwischendurch. Die Pausen nützten wir um mit den anderen ins Gespräch zu kommen und sie näher kennen zu lernen. Das war oft sehr lustig, aber manchmal bekamen wir auch traurige Geschichten zu hören. Schnell gewöhnte ich mich daran, von nun an mit diesem Team unterwegs zu sein, Freude und Kummer zu teilen, hart zu trainieren und an sich selbst zu glauben. Schnell vergingen die Tage mit langen und harten Proben, bis endlich der Tag der Premiere, die auch in Nürnberg stattfand, kam. Die Probezeit bei dieser Produktion war nur kurz, da ich in das zweite Jahr bei "Hollywood“ einstieg. Das muss ich kurz genauer erklären: "Holiday on Ice“ hat mehrere Produktionen, die parallel auf Tour sind. Jede Produktion läuft für die Dauer von drei Jahren. Während eine Produktion im ersten Jahr während ihrer Premiere zum Beispiel in Deutschland tourt, tourt eine andere Produktion schon in England.

Die Nervosität stieg, denn ich wusste, meine Mama würde mich bald besuchen kommen. Das Gefühl, vor einem riesengroßen Publikum zu bestehen, war unbeschreiblich. Noch wusste meine Mama nicht, dass ich eine Solo-Nummer als die Geliebte von "Charlie Chaplin“ bekommen hatte. In der Hoffnung meine Überraschung würde gelingen, bereitete ich mich eifrig auf meinen bevorstehenden Auftritt vor. Es war an der Zeit sie zu belohnen. Für vierzehn Jahre, die sie mit unermüdlichem Elan hinter mir stand und sämtliche Entbehrungen hinnahm.

Wir schrieben den 19. November 2003, Premiere in Nürnberg mit der Produktion „Hollywood“.

Es wurde uns bereits vorab zugetragen, dass viel Prominenz aus Politik und Wirtschaft sowie auch bekannte Schauspieler anwesend sein würden. Ich sorgte dafür, dass Mama in der ersten Reihe einen Platz bekam, damit sie die Show hautnah miterleben konnte. Einige Stunden vorher erfolgte die Generalprobe. Zugegeben, nun wurde mir doch langsam alles ein wenig zu viel. Wir mussten uns nun in der Garderobe für unseren großen Auftritt vorbereiten. Letztes Kostüm-Fitting, Make-up auftragen, die Choreographie in Gedanken nochmal durchgehen. Trotz dieser Anspannungen und der Aufregung, die ich in mir spürte, kam der Humor nicht zu kurz. Es waren natürlich sehr viele internationale erfahrene Eiskunstläufer mit im Team, die durch nichts mehr aus der Ruhe zu bringen waren und die zur Auflockerung immer ein Späßchen auf den Lippen hatten. Wir profitierten sehr von ihnen. Ich sammelte all meine Kräfte um diesen wichtigen Abend ohne Fehler durchstehen zu können. Ich wollte niemanden enttäuschen. Mein "Line Captain“ Lisa hat alles mitbekommen. Sie war unsere Gruppenleiterin und Anweisungen von ihr mussten stets befolgt werden. Sie bemerkte wie nervös ich war und unterstützte mich wo Sie nur konnte. Da ich mit Nathalie eine der wenigen "Neuen“ in diesem Jahr war, konnte sie ein schützendes Auge auf uns werfen. Das Aufkleben der großen, unechten Wimpern war wirklich eine Herausforderung für mich. Sie waren mir fremd, ich hatte keine Ahnung, wie ich es schaffen sollte, dass diese Wimpern eine ganze Vorstellung dort blieben, wo sie hingehörten. Mit Hilfe der anderen Showgirls, die natürlich schon eine gewisse Routine an den Tag legten, schaffte ich es aber irgendwie sie zu "befestigen“. An Spaß, Witz und Humor fehlte es tatsächlich nie, denn wie ich beobachten konnte, gab es nicht nur routinierte Läufer, sondern auch genügend Neulinge, Pechvögel.

Ich kann mich noch genau erinnern, als ich den ersten Musik-Ton erklingen hörte, fühlte ich auch gleichzeitig mein Herz pochen, spürte, dass sich etwas in meinem Leben erfüllt hat, was ich mir gewünscht habe. Ich bereue nichts, sondern werde weiterhin für das Kämpfen, was ich mir in den Kopf gesetzt habe. Nur so kann man an das Ziel seiner Träume gelangen. Viele Reporter besetzten die ersten Reihen, knieten ganz vorne am roten Teppich mit großen Kameras, schauten neugierig aufs Eis. Nicht zu vergessen war Herr Mooshammer mit seinem Butler, Hund Daisy durfte nicht fehlen. In letzter Sekunde trafen Sie ein. Er nahm neben meiner Mama Platz. Mooshammer fehlte fast nie bei Premieren. Der Modedesigner galt als einer der Hauptsponsoren der Show. Mit Leib und Seele machte er diesen Job, verzaubert die Leute immer wieder mit seinen edlen, ausgefallenen Kreationen. In Gedanken konnte ich mir meine Mama jetzt vorstellen. Neben diesem bekannten Szene-Mann zu sitzen erfreute Sie bestimmt. Aber die eigentliche Überraschung kam ja erst. So wie ich sie kenne, dachte Sie insgeheim, hoffentlich passiert kein Sturz. Ihr Herz wird jedoch tanzen. In sechs verschiedenen Rollen werde ich die farbenprächtigen Kostüme präsentieren, wobei der Höhepunkt mein Soloauftritt sein wird. Mein Lampenfieber, der Adrenalinspiegel haben den Höhepunkt erreicht. Es gab kein zurück mehr, nur mehr raus aufs Eis. Der absolute Höhepunkt meiner Karriere begann. Fast drei Stunden gaben wir alle das Beste. Es endete mit einem nicht aufhörenden Applaus. Wir alle hatten eine hervorragende Show gezeigt. Mit kleinen Pannen, die sich aber im "Dressingroom“ hinter der Bühne abspielten. Das Publikum bekam davon nichts zu sehen. Alle waren erleichtert. Meine Mama applaudierte und lachte. Die grenzenlose Begeisterung war ihr ins Gesicht geschrieben, das konnte ich von Weitem beobachten. Sie freute sich riesig, dass ich in dieser internationalen weltberühmten Show so bravourös gelaufen bin. Es war ein faszinierendes Gefühl zu wissen, dass sie sehr stolz auf mich ist. Eine großartige Aftershowparty mit allen prominenten Gästen stand auf dem Programm. Darauf freuten wir uns besonders. Erschöpft, aber erleichtert kehrten wir in das Hotel zurück, wo wir gemeinsam nochmals alles Revue passieren ließen, auch von den kleinen Pannen hinter den Kulissen erzählten. Mit einem Glas Champagner ließen wir diesen gelungenen Abend ausklingen.

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Am 10.05.1984 wurde ich in Linz an der Donau geboren. Jasmine war der Wunschname meiner ganzen Familie. Im Alter von zwei Jahren war ich wie ein Gummiball und konnte einfach nicht still sitzen. Als ich dann mit vier Jahren in den Kindergarten kam, wurden wir auf einen Schnupperkurs im Eislaufen aufmerksam. Das Interesse von mir und meiner Mama war geweckt und meine Zukunft als kleine Eislaufprinzessin begann. Am 16. August 1989 war es dann soweit – ich stand das erste Mal am Eis. Schon nach kurzer Zeit stellte sich heraus, dass ich Talent hatte. Das Eislauftraining machte mir sehr viel Spaß. Sieben Monate trainierte ich für die erste Landesmeisterschaft. Ich musste bereits eine Kür mit vielen Eislauffiguren, wie zum Beispiel den Froschsprung, den Storch, Einfachsprünge, Übersteigen, eine Hocke, den Engel und einer Stehpirouette, laufen können. Da dies alles nicht nur auf dem Eis trainiert werden konnte, verbrachte ich auch viele Stunden mit Trockentraining. Auch meine Mama übte sehr viel mit mir im Trockenen, bis es ohne Fehler klappte. Belohnt wurde ich mit dem zweiten Platz. Alle Anwesenden, samt Funktionären und Trainern waren von diesem tollen Ergebnis begeistert. Meine Eltern wurden daraufhin gefragt, ob ich das Training in der nächsten Saison intensivieren könnte. Begeistert ob meines Erfolges in der ersten Meisterschaft stimmten meine Eltern einer Erhöhung der Trainingsintensität zu. In der darauffolgenden Saison trainierte ich bereits drei Mal pro Woche. Im September 1990 kam ich dann in eine Privatschule um das Lernen in der Schule mit dem Training auf dem Eis besser vereinbaren zu können. Da meine Eltern selbständig waren, konnte mich meine Mama täglich von der Schule abholen und in das Training bringen. Das hatte viele Vorteile. - Eine aufregende Leistungssportkarriere mit vielen unvergesslichen und berührenden Momenten begann.


14 Jahre stand ich täglich zwei Stunden am Eis, dazu noch eine Stunde Trockentraining, Choreographie und Ballett. All das und noch vieles mehr gehörte zu meinem Tagesablauf. Die richtige Balance zwischen Schule und Leistungssport zu finden, war nicht immer leicht. Dazu kamen Trainerwechsel, Wettkämpfe und auch in der Schule gab es immer wieder Hürden zu überwinden. Es blieb oft keine Zeit für Freunde. Auch Einladungen zu Geburtstagsfeiern musste ich fast immer ausschlagen. Es war nicht immer einfach. Und so ganz nebenbei lernte ich auch noch Stepptanz. Der Privatunterricht bei einer angesehenen Stepptanzlehrerin war trotz meines jungen Alters eine Art Ausgleich für mich. Es war der Wunsch meiner Oma, dass ich meinen Lebenslauf mit Steppen ergänze um dadurch meine Vielfältigkeit zeigen zu können. Neben dem Eiskunstlaufen ist der Stepptanz meine zweite große Leidenschaft. Es folgten viele erfolgreiche Showauftritte. Im Jahr 1994 gelangte ich zum bisherigen Höhepunkt meiner Stepptanz-Karriere: Eine Solo-Stepptanz-Performance bei der Weltmeisterschaft der Lateinamerikanischen Tänze in Linz. Als "Charly Chaplin“ legte ich mit nur 10 Jahren eine heiße Sohle aufs Parkett. Das Publikum war begeistert. Meine Eltern und insbesondere meine Stepptanzlehrerin Isolde waren sehr stolz auf mich. Bis heute kann ich mich an diesen besonderen Abend erinnern.


Im Jahr 1996 zerbrach unser schönes Glashaus. Es war eine schöne und wertvolle Zeit, aber leider auch zerbrechlich. Meine Familie war für mich immer wie ein großes schönes Glashaus. Im Inneren herrschte ein angenehmes und warmes Klima mit wunderbaren Gefühlen, an denen wir alle, auch meine drei Brüder, viel Freude gehabt haben. Viele Leute beneideten uns. Nicht jeder hatte so ein Glashaus. Ich wollte es vor Erschütterungen schützen, doch es bekam Sprünge. Dann wurde mit Gewalt agiert. Die feine Flöte, die zarte Geige, die hektische Trommel, die mächtige Posaune und der dumpfe Bass ließen mein Glashaus in tausend Splitter zerspringen. Nach der Trennung meiner Eltern veränderten sich viele Dinge. Eine schwierige Zeit für mich folgte, aber es gelang mir, mich an mein neues Lebensumfeld anzupassen. Meine „zweite Familie“ wohnte (und wohnt auch heute noch) in Linz/Urfahr. Wenn es uns schlecht ging, waren wir immer herzlich willkommen. Sie bauten uns auf, motivierten uns und schenkten uns wieder frische Lebensenergie. Diese Freundschaft hält bis heute an. Auch mit den Kindern der Familie verbindet uns eine wunderbare Freundschaft. Sie halfen uns über eine sehr schwierige Zeit hinweg.


Auch meine Mama versuchte, sich mit anderen Dingen Ablenkung zu verschaffen und so übernahm sie im Jahr 1998 die Organisation der Eisshow für den "Tag der offenen Tür“ der Stadt Linz. Geschickt verteilte sie die verschiedenen Arbeitsbereiche und auch die Eltern der Kinder wurden in das Projekt miteinbezogen. Der Titel der ersten Eisshow für die Stadt Linz hieß "Eurokids“. Auch ich durfte in dieser Show mein Eiskunstlauftalent präsentieren. Viele Jahre war dieses Ereignis ein Highlight in der Linzer Eissporthalle. Die Vorstellungen waren immer wieder aufs Neue bis auf den letzten Platz gefüllt. Auch beim jährlichen "Linzer Eiszauber“ durfte ich mein Können zeigen und genoss bereits in jungen Jahren den Auftritt vor großem Publikum.


Viele unvergessliche schöne Momente, aber auch blaue Flecken, Verletzungen und vieles mehr erinnern mich an diese Zeit. Mein Tagesablauf war auf die Minute genau geplant. Der Essplan abgestimmt. Ich musste auch lernen, dass nicht jeder meine Begeisterung zu diesem Sport teilte. Ohne die Unterstützung meiner Familie wäre dies alles nicht möglich gewesen. Besonders meine Mutter richtete sich komplett nach mir, meinem Sport und der Schule.


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Die Vielseitigkeit einer Kür besteht aus Sprüngen, Pirouetten und verbindenden Schritten.

Die wichtigsten Sprünge im Überblick:

DREIERSPRUNG: Der Absprung erfolgt von einem vorwärts-auswärts-Bogen, halbe Drehung in der Luft, Landung auf dem anderen Fuß in einem rückwärts-auswärts-Bogen.

AXEL-PAULSEN: Ablauf wie beim Dreiersprung mit einer zusätzlichen Drehung in der Luft. Dieser Sprung ist nach dem berühmten norwegischen Eiskunstläufer Axel Paulsen, der zu Beginn der Eiskunstlaufbewegung sehr erfolgreich war, benannt.

SALCHOW: Dieser Sprung ist ebenfalls nach einem berühmten Eiskunstläufer benannt, Ulrich Salchow (zehnfacher Weltmeister). Absprung von einem rückwärts-einwärts Bogen, dann ganze Drehung in der Luft, Landung auf dem anderen Fuß in einem rückwärts-auswärts-Bogen. Heute wird dieser Sprung nicht nur einfach und doppelt, sondern mit dreifacher und vierfacher Drehung gesprungen.

RITTBERGER: Ebenso bereits dreifach und vierfach springen die großen Eiskunstläufer heute den Rittberger – benannt nach dem deutschen Meister Werner Rittberger, der bereits vor dem ersten Weltkrieg aktiv war. Hier erfolgt der Absprung von einem rückwärts-einwärts-Bogen, dann ganze Drehung in der Luft, Landung mit dem gleichen Fuß in einem rückwärts-auswärts-Bogen.

LUTZ: Dieser Sprung ist nach dem leider früh verstorbenen jungen Wiener Alois Lutz, der ebenfalls in der frühen Zeit des Eiskunstlaufes aktiv war, benannt. Hier erfolgt der Absprung von einem rückwärts-auswärts-Bogen mit gleichzeitigem Einsetzen der Spitze des anderen Fußes hinter dem Absprungbein, dann ganze Drehung gegen die Richtung (Gegenwende), Landung auf dem anderen Fuß in einem rückwärts-auswärts-Bogen. Dieser Sprung wird mittlerweile auch von den Eiskunstläufern doppelt, dreifach und vierfach gesprungen.

Weitere bekannte Sprünge aus dem Repertoire der Eiskunstläufer sind der EULER, der OPPACHER, beide benannt nach bekannten Wiener Läufern, sowie der FLIP und TOE-LOOP, die in Amerika entstanden sind.

Mein Lieblingssprung war immer der Rittberger und am wenigsten mochte ich den Lutz ;)

Ich könnte noch viel genauer auf die jeweiligen Elemente – Absprung u. Landungsphasen – Rotationen – Kür – Kurzprogramm etc. eingehen, aber ich glaube man findet hierzu im Internet genügend Informationen.

Gerne aber beantworte ich euch dazu jede Frage!

Zum Abschluss für heute möchte ich euch noch kurz den Unterschied zwischen einer Leistungssportlerin im Eiskunstlaufen und einer Profieiskunstläuferin erklären, da ich oft danach gefragt werde. Im Profisport übt man die erlernte Sportart berufsmäßig aus. Man hat sich den Sport mehr oder weniger zum Beruf gemacht und kann damit auch gut verdienen, was im Gegenzug beim Leistungssport leider nicht der Fall ist. Im Leistungssport habe ich bestimmte Vorgaben zu erfüllen. Die Kür und das Kurzprogramm müssen die vorgeschriebenen Elemente beinhalten. Im Profisport ist das Einhalten von Vorgaben eher nebensächlich, hier geht es mehr um Showelemente. Bei der Gestaltung eines Showprogrammes habe ich daher keine Grenzen und kann viele neue Elemente und Bewegungen in eine Shownummer einbauen und präsentieren. Die Choreographie von einer Profieiskunstlaufshow wird meist von einem bekannten internationalen Choreographen einstudiert und mit den jeweiligen Showläufern abgestimmt. Auch hier ist viel Geduld, Disziplin, Konzentration, Ausdauer und vieles mehr gefragt. Ohne diese Voraussetzungen kann man im Profisport nicht bestehen.

Liebe Grüße, Jasmine ;)

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Bevor ich damit beginne euch von meinem Leben als Eiskunstläuferin zu berichten, möchte ich das Thema Eiskunstlauf kurz aufgreifen und genauer definieren. Die offizielle Definition von Eiskunstlaufen lautet: "Die künstlerische Gestaltung sportlicher Bewegungsabläufe auf Schlittschuhen“. Dahinter steckt sehr ausgiebiges und hartes Training. Sprungkombinationen, Pirouetten und Schrittfolgen müssen sehr geübt sein, daher sollte man diesen Sport bereits früh beginnen, spätestens im Alter von 4 Jahren. Bewertet wird der Eiskunstlauf in zwei verschiedenen Noten. Die erste Note, die Technik, also der Schweregrad des Programms – gemessen anhand der Variationen, der Sauberkeit, der Ausführung und der Sicherheit. Die zweite Note bewertet den künstlerischen Ausdruck, die Abstimmung des Programms mit der Musik, das Bewegen im Takt der Musik, Haltung und Originalität sowie die Interpretation der Musik. In den Jahren 2004/2005 wurde von der ISU (International Skating Union) ein neues Punktewertungssystem entwickelt. Das „alte“ System (inzwischen „6,0 System“ genannt) wurde dadurch international abgelöst.

Jedes Element hat sozusagen einen bestimmten Grundwert, der nach Schwierigkeitsgrad und nach Ausführungsqualität erhöht oder erniedrigt wird. Am Ende werden alle Punkte zusammengezählt. Diese Summe ergibt die technischen Punkte eines Programmes. Auch die saubere Kantentechnik, Interpretation und Präsentation der Musik wird bewertet – diese Punkte ergeben den künstlerischen Wert. Aus den technischen und künstlerischen Punkten ergibt sich eine Gesamtpunkteanzahl. Der Einsatz eines Videosystems im Wettkampf ermöglicht es nun, Elemente genauer zu betrachten. Die Eislauffertigkeit (Skating Skills), Verbindungselemente (Transitions), Präsentation und Choreographie fließen mit in das neue Punktesystem ein.

Die Grundlagen des Eiskunstlaufes sollten in einem Verein erlernt werden. Gerade für Kinder und Jugendliche ist die Vereinszugehörigkeit sehr wichtig. Eine solide Grundausbildung ist im Eiskunstlauf unumgänglich und kann so Schritt für Schritt weiter ausgebaut werden. Die Steigerung der Trainingsintensität sollte mit dem jeweiligen Trainer abgestimmt werden. Natürlich sollte man für den Eiskunstlauf auch die körperlichen Voraussetzungen mitbringen um den Anforderungen Stand zu halten. Wer den internationalen Durchbruch schaffen möchte, muss sich an ein hartes Training von klein an gewöhnen. Finanzielle Unterstützung erhält man oft erst Jahre später, nachdem die ersten Erfolge ersichtlich sind und man darauf aufbauen kann. Wer jedoch kein Profi im Eiskunstlauf werden möchte, sollte seinem Hobby trotzdem nachgehen und nicht nur Freundschaften fürs Leben schließen, sondern auch in vielen anderen Bereichen davon profitieren und die vielen Erfahrungen fürs Leben mitnehmen.

Die intensive Zeit, die man in diesen Sport investiert ist auf jeden Fall nicht umsonst. Wie auch in anderen Sportarten hat man die Möglichkeit Trainerausbildungen zu machen um später seine Erfahrungen an junge, ambitionierte Talente weiterzugeben. Auch ich habe diese Chance genützt und unterrichte sehr gerne am Eis. Leider sind die Möglichkeiten in Österreich begrenzt! Trotzdem lege ich sehr viel Wert auf Seminare und bin mit meinen int. Eislauffreunden laufend in Kontakt. Möglichkeiten in der Schweiz und in Canada zu unterrichten, gibt es, aber nachdem ich bereits lange Jahre im Ausland verbracht habe, habe ich mich nach meiner Karriere dazu entschlossen erstmal zu meinen Wurzeln zurückzukehren und in Österreich zu bleiben.

Ich bin mit diesem Sport groß geworden – er ist und bleibt mein Favorit!

Wenn man einmal tief mit diesem Sport und dem Eis verbunden ist, kann man sich kaum mehr einen Tag ohne Eis vorstellen.

Wenn ihr Fragen dazu habt oder selbst eislaufen lernen möchtet, dann zögert bitte nicht und stellt einfach Fragen!

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"Lebe deinen Traum" - dieses Motto verfolgt mich schon seit meiner Kindheit. Mein großer Wunsch, einmal bei der weltberühmten Eiskunstlaufshow "Holiday on Ice" dabei zu sein, konnte ich mir nach einer erfolgreichen Leistungssportkarriere als Eiskunstläuferin erfüllen. Unter zahlreichen internationalen Castingteilnehmern bekam ich die Chance mit "Holiday on Ice" um die Welt zu touren. Zahlreiche Arrangements, wie zum Beispiel "Champions on Ice" & "Stars on Ice" folgten. Wir sind in Tokio vor 40.000 eislaufbegeisterten Zuschauern aufgetreten. Es war ein unglaublich tolles Gefühl mit Olympiasiegern und Weltmeistern in einer Show zu laufen - und sie auch noch privat kennenzulernen - davon schwärme ich noch heute. Touren durch Canada und die USA mit "Ice Capades", Arrangements im "Europapark" und "Phantasialand" in Deutschland, Shows in "Hong Kong" sowie Auftritte in vielen weiteren internationalen Produktionen machten meine Karriere als professionelle Eiskunstläuferin komplett.

In meinen zukünftigen Blogs möchte ich euch von meinen Erlebnissen und Abenteuern, die ich all die Jahre erlebt habe, erzählen. Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass diese Zeit von vielen unvergesslichen Momenten geprägt ist. Ich kann euch schon mal vorweg verraten - es war eine aufregende und spannende Zeit. Wenn ich so darüber nachdenke, fühlt es sich so an, als ob es gestern war. In Gedanken durchlebe ich immer wieder die Showauftritte vor großem Publikum, die nervösen Momente kurz vor der Show, die wundervollen Menschen, die ich während der Tour kennenlernen durfte, die verschiedensten Länder und vieles mehr....

Alles Liebe, Eure Jasmine :)

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Wunderbare Musik erfüllt die Eisfläche. Langsam betrete ich die Eisfläche. Getragen von der Melodie und einem herrlichen Hochgefühl schwebe ich über die Eisfläche. Es ist traumhaft für mich, mit meiner Körpersprache Emotionen auszudrücken. Das Eiskunstlaufen empfinde ich nicht nur als Erlernen von möglichst vielen Sprüngen und Pirouetten. Dieser Sport ist eine Kunst, eben Eis"kunst"laufen. Viele Lehrer stehen dieser sportlichen Betätigung sehr kritisch gegenüber. Notlügen sind der einzige Weg zu bestehen. Als Mensch lernt man Geduld und Ausdauer zu haben sowie Neid, Intrigen und Ungerechtigkeiten zu besiegen, um das Ziel zu erreichen. Gute Platzierungen, ein neuer Sprung, Tränen und blaue Flecken. Trotz vieler Entbehrungen, die mir das Training abverlangt hat, bin ich sehr froh, diesen Weg gegangen zu sein, denn ich fühle mich durch die vielen Erfahrungen für mein Leben bereichert.

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