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Schon fast zweieinhalb Monate in Ghana und noch nie das ghanaische Nationalgericht Fufu gegessen?
Eigentlich geht das ja nicht. Wirklich überhaupt nicht und dafür gibt es auch keine Entschuldigung. Außer vielleicht, dass Tilly wundersamerweise seit meiner Ankunft aufgehört hat, das Leibgericht zahlreicher Ghanaer zu kochen - bis gestern.
Da gab es dann gleich zweimal Fufu, ein zäher Kloß aus gematschten Plantains und Cassava-Wurzeln, eingebettet in Peanut- oder Light Soup, die auch mal scharf sein darf.
Einmal im Studenthouse und bei Vickys Gastfamilie, die uns netterweise eingeladen hatte (anhand der Bilder darf man raten, wo wir letztendlich waren).
Nach einer Fahrt Richtung Adenta, die laut Vickys überaus genauen Angaben, ein bisschen dauern und ein paar Cedis kosten sollte, erreichten wir schließlich nach einigen "Aha, ich weiß wo wir sind! Häh, jetzt bin ich verwirrt..." das Haus unserer Gastgeber, das, passend zur Familie, größer war, als erwartet.
Bis man sich durch die ganzen Gastgeschwister durchgearbeitet hatte, wurde man schon ehe man sich versah von der Gastmama geherzt und geknuddelt und fand sich mir nichts dir nichts auf dem Sofa wieder und wurde über die politische Situation in Deutschland, die CDU, Angela Merkel und ihre offensichtliche Fußballleidenschaft ausgefragt.
Danach ging es hinter das Haus, um beim Fufu stampfen zuzuschauen, bzw. mitzuhelfen, was auf Dauer echt anstrengender ist, als es aussieht. Außerdem lebt man in der ständigen Angst, die Hände der armen Frau zu zerquetschen, die in absolut erforderlichem und perfekt getimetem Affenzahn den Kloß mit Wasser beträufelt.
Gegessen wurde der ganze Spaß dann mit den Fingern und (ganz wichtig) nicht gekaut, sondern einfach direkt runtergeschluckt.
Etwas gewöhnungsbedürftig, aber durchaus ein grandioser Einfall, den ich gedenke zuhause fortzuführen (zumindest das mit den Fingern essen).
Viel zu schnell war der Abend vorbei und nach den obligatorischen Familienfotos ging es wieder zurück ins Studenthouse.
Aber den Prinzipien der ghanaischen Gastfreundschaft folgend, wurden Caro, Joyce und ich, obwohl Vicky am Dienstag (zumindest voraussichtlich) nachhause fliegt, eingeladen, jederzeit wiederzukommen.
Ein Angebot, dem wir nur allzu gerne nachkommen werden.

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Tosender Applaus. Schon hinter der Bühne kann er ihn hören. Das Orchester wird gerade seine Plätze einnehmen, mehr oder weniger geordnet, so wie er es mit ihnen geübt hat.
Prince reibt sich fröhlich die Hände. Ein bisschen aufgeregt ist er schon, aber das gehört bei seinem Beruf ja auch dazu. Er kann förmlich durch den Vorhang spüren, wie der Konzertmeister in seine Richtung blickt. Los geht's.
Er tritt ins Rampenlicht und erneuter Applaus brandet auf. Das gesamte National Theatre scheint gefüllt zu sein. Mit Ghanaern und ein paar obruni mittendrin.
Er blinzelt. Eine davon, kommt ihm unheimlich bekannt vor, wie ein Gesicht aus einem längst vergessenen Traum.
Er schüttelt den Kopf, räuspert und verbeugt sich. Jetzt ist Konzentration angesagt. Er dreht sich zum Orchester um und gibt den ersten Einsatz.
Musik erklingt. Die Töne weben einen feinen, kunterbunten Teppich durch den Raum, nisten sich in den Ohren der Zuhörer unmerklich ein und bewirken, dass sie tanzen wollen.
                                 ***
Als der Dirigent die Bühne betritt, erkenne ich ihn sofort. Er hat sich gar nicht so sehr verändert. Immer noch die weit aufgerissenen Augen, die für sein damaliges Alter schon viel zu viel Scharfsinn verrieten, der überdimensional große Kopf und die weichen Gesichtszüge. Er konnte schon damals niemandem wirklich böse sein.
Kurz bilde ich mir ein, dass er zu mir rüberschaut und ein Erkennen in seinen Augen aufflackert. Aber der Moment geht vorbei und er dreht sich weg. Es ist ja nun auch schon um die 40 Jahre her, dass wir uns das letzte Mal gesehen haben. Die Musik, die er dirigiert, erfüllt den Raum und weckt Erinnerungen an mein früheres Ich, das mit 18 für ein halbes Jahr Freiwilligenarbeit in einer ghanaischen Schule abgeleistet hat. Prince hatte schon damals eine ganz eigene, unnachahmliche Art gehabt, die ihn von den anderen Kindern unterschied. Kein I beat you oder ähnliche Gewaltausbrüche, sondern nur ein Loria, can you teach me?, gefolgt von der Bitte, Flöte zu spielen oder zu pfeifen, dessen er niemals überdrüssig wurde und dazu schon damals immer wild, aber durchaus rhythmisch, mit den Händen in der Gegend rumfuchtelte.
Und jetzt hatte er es tatsächlich geschafft, auf einer richtigen Bühne zu stehen.
Als ich von Game erfuhr, dass das National Orchestra nun einen neuen, gefeierten Dirigenten hat, erkannte ich Prince auf dem Bild sofort. Und da ich ohnehin vorgehabt hatte, Ghana noch einmal einen Besuch abzustatten, bot sich hier nahezu die perfekte Ausrede, noch einmal so viel Geld für den Flug auszugeben. Ein viertes (oder war es schon das fünfte?) Mal nach Ghana. Langweilig wurde es nie.
                                   ***
In einer kurzen Pause, in der er einen Schluck Wasser trinkt und sich den Schweiß von der Stirn wischt, fällt es ihm wie Schuppen von den Augen.
Die obruni, die sich Loria nannte (einen Namen, den er seitdem nie wieder gehört hatte und der darauf schließen lässt, dass dieser eine Erfindung aus Kindertagen gewesen war) und im Kindergarten immer mit ihnen gesungen hatte. Nach und nach kommen die Erinnerungen wieder. Die Flöte, die Klatschspiele und Kreistänze, Kinderlieder und Pfeifkonzerte.
Unwillkürlich muss er lächeln.
Das nächste Stück spielt er nur für sie.

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...oder zumindest so ähnlich.
Irgendwann, so heißt es, wird jeder obruni in Ghana mal so richtig krank, dass er sich fragt, warum zum Teufel er nicht einfach in Deutschland geblieben ist.
Game vertritt felsenfest die Ansicht der 4-weeks-sickness, die einen in der vierten Woche seines Aufenthalts ereilen und außer Gefecht setzen soll.
Bei mir war bzw. ist es wohl eher die 8-weeks-sickness, die mir nun schon seit zwei Wochen fast jeden Tag vermiest, da es nun wirklich Schöneres gibt als Blasenentzündung, Durchfall, Schwindel und Erkältung (ja, das ist tatsächlich trotz 32 Grad möglich) gleichzeitig zu haben. Offenbar konnte sich der Sadist, der für die ghanaische Krankheitsverteilung zuständig ist, nicht entscheiden.
Nichtsdestotrotz habe ich mich heute wieder in die Schule begeben und nach den zwei Tagen, an denen ich gefehlt habe, feststellen müssen, dass tatsächlich auf einmal und faszinierenderweise Untericht gemacht wurde. Die Lehrerin hielt sich zum ersten Mal länger als eine Minute im Klassenraum auf (Beweisfoto siehe oben) und hatte sich vorgenommen, die Schreibweise der Buchstaben s,a,t,p,i und n zu üben. Man lese und staune: es hat sogar funktioniert. Endlich mal wieder etwas zu tun, womit ich die Frage meiner Mutter, ob ich mich nicht manchmal fragen würde, was das Ganze hier solle, getrost mit Nein beantworten kann. Wirklich nicht.
Mittlerweile weiß ich ganz gut, was das alles hier soll, warum die Dinge so sind wie sie sind und warum ich hier bin.
Am Ende meines Aufenthaltes werdet ihr das auch herausgefunden haben.
Zum Beispiel für Elikem, der heute Gesprächsthema Nummer 1 war, da er einfach pausenlos alles isst, was ihm zwischen die Finger kommt. Buntstifte, Kreide, Dreck, Fäden seiner Schuluniform und vieles mehr - das ghanaische Sams.
Für Noah, der heute endlich seit seinem sehr verheulten Schulanfang, wieder richtig gelacht hat.
Für das Baby der Lehrerin, das auf wundersame Weise mit 7 Monaten eine Schuluniform trägt und spontan die Nursery besuchen soll.
Für alle neuen Kinder, die die Schulbänke füllen und noch mehr Leben in das Schülermeer bringen, als sowieso schon da war.
In einer langwierigen Aktion sind Sofie und ich dabei, alle fehlenden Plakate und Zettel (das Alphabet, Zahlen, die Wochentage etc.) nachzubasteln und somit die Klassenräume wieder in ihren Ursprungszustand zu versetzen.
Wenn wir damit fertig sind, fehlen nur noch wir selbst, die langsam wirklich mal in den Zustand vor dem ganzen jämmerlichen Kranksein zurückversetzt werden könnten.
Reset and Go!

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Man weiß, dass man in Ghana ist, wenn...
...das Überleben des Paketes aus Deutschland von einem winzigen rosa Zettel abhängt, der allzu leicht verloren gehen kann und somit als Abholschein irgendwie ungeeignet ist.
...eine Wahlurne einfach mal so geklaut werden kann und statt einer Neuwahl des betroffenen Wahllokals einfach ohne diese weitergerechnet wird.
...die Schulen kein fließendes Wasser haben und das Trinkwasser (ohne erkennbaren Ursprung) aus orangenen Regentonnen geschöpft wird.
...man wahllos von irgendwelchen Ghanaern angelabert wird, die dann darauf bestehen, dass man Fotos mit ihnen schießt. Oder sie versuchen einfach heimlich ein Selfie zu machen auf denen ein obruni zu sehen ist und laden dieses dann stolz bei Facebook hoch.
...die Marktstände so nah beieinander stehen, dass man sich kaum einen Weg hindurch bahnen kann und wenn man dann doch aus dem Labyrinth herausgefunden hat, schon fast eine Reihe von Armbändern, Obst oder Fischköpfen gekauft hat.
...man einfach mal so spontan als Leadsängerin eines Gospelchores im Gottesdienst performen kann.
...Briefe nach Deutschland in den Briefkasten für Nordamerika oder in jeden beliebigen (nur nicht den nach Europa, den gibt es nicht) geworfen werden können und trotzdem ankommen.*
...die Matratzen zum auslüften und sauber werden kurzerhand auf die Terasse gestellt werden und der Staub, den sie dabei aufsaugen ignoriert wird.
...einem frischgebackenen Doktoranden nicht gratuliert, sondern nur Gott dafür gedankt wird, dass er diesen mit so viel Schlauheit gesegnet hätte.

*Zusatz zum Post Office:
Ein Paket abholen kann unter Umständen eine sehr kafkaeske Erfahrung sein, wie Caro und ich heute feststellen mussten. Mit dem Abholschein zum Post Office Teshie-Nungua wurden wir nach Accra zur Post in der Nähe des Art Markets geschickt, von da aus zum Main Post Office, wo wir einige Stationen samt Papierkram und Paket aufschneiden durchliefen und letztendlich über 80 Cedi für unsere Sendungen bezahlen mussten.
Also falls nochmal jemand auf die Idee kommen sollte, mir ein Paket zu schicken: Bitte kein schweres 5kg-Paket!
Gefreut haben wir uns trotzdem 😊

...zum Frühstück wenig bis nichts und wenn, dann Porridge, der irgendwie wie schon einmal gegessen und wiedergekäut aussieht und riecht, gegessen wird. Manchmal kann auch scharfer Reis herhalten.
...die Taxen auf eigentlich einspurigen Fahrbahnen mehrspurig fahren und sich hupend beliebig und lebensgefährlich schneiden.
...eine leere und nicht chaotische Trotrostation irgendwie gruselig aussieht.
...bei jeder Gastgeschenkübergabe ein lächelndes und händeschüttelndes Foto aus allen erdenklichen Perspektiven geschossen werden muss.
...zu viert mit vier Rucksäcken auf einem Motorrad über Schlaglochpisten rasen vollkommen legitim ist.
...es immer Mittel und Wege gibt, sein Ziel zu erreichen, auch wenn das bedeutet, ein paar Bambusstäbe zu fällen, nur um eine Pfütze überqueren zu können.
...selbst ein Schiff BVB-Fan sein kann und deutscher Fußball im Allgemeinen außerordentlich gefeiert wird.
...die Toilettenspülung meistens nicht funktioniert, man es aber doch trotzdem jedes Mal aufs Neue versucht und enttäuscht wird.
...selbst das klapprigste Trotro durch riesige Pfützen fahren kann und das Wasser so gerade nicht durch die Rostlöcher im Boden schwappt, die so groß sind, dass man ohne Probleme bei der Fahrt mitlaufen könnte.

...die Adventszeit ungeachtet an einem vorbeizieht und lediglich der 2. Advent mit einem in den Sand gemalten und mit Mülltüten verzierten Adventskranz gefeiert wird.
...der gesamte Müll aus dem Meer an den kostenpflichtigen Stränden, die gesäubert werden, einfach in den Sand gekehrt und liegengelassen wird.
...man auf jeder VIP-Busfahrt zuerst von einem Prediger und danach von sinnlosen ghanaischen Serien/Soaps belästigt wird, die so laut sind, dass sogar Kopfhörer nichts mehr nützen.
...Essen auf der Straße in so viel Plastik wie möglich verpackt wird und die schwarzen Tüten mittlerweile ein fester Bestandteil der Umwelt geworden sind.
...man auf allen möglichen Fotos dazugestellt wird, egal ob man die anderen Beteiligten nun kennt oder nicht.
...es für Fahranfänger und Fahrer mit Baby im Auto extra Nummernschilder gibt, die zur Rücksichtnahme aufrufen sollen. Die Funktionalität dieser doch eigentlich sinnvollen Idee, ist jedoch in Frage zu stellen.
...alle Freunde Charlie gerufen werden, was sich obskurerweise so anhört wie Chau Lee (einigen dürfte dieser Name ein Begriff sein).
...man einfach auf dem Weg zur Schule durch diverse Privatgrundstücke spazieren kann und sich niemand, solange man freundlich grüßt, daran stört.
...selbstgemachte Obstsalate richtig billig sind, weil man für umgerechnet vier Euro 20 Bananen, 5 Mangos und 3 Papayas bekommt.

Ich könnte noch ewig so weiterschreiben. Ghana ist so ein vielseitiges Land und ich bin froh, noch ein Weilchen hier zu sein, um Ende April hoffentlich alle Facetten kennengelernt zu haben.

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Wir betreten den Schulhof und werden sofort von Elizabeth mit den Worten: "Madam didn't come!" begrüßt.
Aus Erfahrung weiß ich - sie kommt schon noch. Nur eben ein bisschen später, was letztendlich dann auch der Wahrheit entspricht.
Ohne lehrkräftige Autorität lässt sich da wenig machen. Weder Rhymes and Songs unterrichten, noch verhindern, dass die Kleinen jedes Mal, wenn man ihnen für eine Sekunde den Rücken zudreht, wie die Lemminge vom Lehrerpult springen und sich Steven letztendlich eine Platzwunde am Kinn abholt. Ausgestattet mit Prinzessinenpflastern aus Sofies Vorrat, ist das Ganze nur halb so schlimm und die Tränen schnell vergessen, aber die Tatsache, dass die Lehrerinnen nicht einmal ansatzweise um das Wohlbefinden ihrer Schützlinge besorgt sind, sondern allerhöchstens den Schuldigen für die gesamte Misere suchen, der dann mit dem cane geschlagen wird (nicht fest, aber so, dass Respekt das Endergebnis ist), ist, für mich immer noch und für Sofie ganz besonders, schwer zu akzeptieren.
Da wir die Kinder auf keinen Fall schlagen werden, wird uns im Umkehrschluss auch kein Respekt gezollt, solange kein Lehrer in Sichtweite ist. Und das kommt häufig vor.
Ausmalbilder lagen deswegen heute als Einziges im Rahmen des Möglichen, da Madam Theresa den Klassenraum nur betrat, als ein wohlhabend aussehendes Ehepaar ihren Sohn, der den ganzen Tag aus Heimweh wie ein Schlosshund heulen würde, in die neue Schule brachte.
Dann nahm sie wieder ihren altbewährten Plastikstuhlehrenplatz ein, stillte ihr Baby und das ganze Chaos ging wieder von vorne los...

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Nach vier Wochen weitestgehend  erholsamen Weihnachtsferien, kann ich jetzt zum ersten Mal in meinem Leben nachvollziehen, dass auch Lehrer ab und zu keine Lust haben in die Schule zu gehen, wenn sie einmal frei gehabt haben.
Richtig: heute war tatsächlich der erste Schultag. Mit an Bord Sofie, eine neue Frewillige mit der ich die nächsten Monate das Abenteuer S.D.A. bewältigen werde, tatsächliche alle drei Lehrerinnen samt Schulleiter und circa 10 Kinder (der Buschfunk muss offensichtlich noch einiges an Arbeit verrichten, um dem Rest die frohe Botschaft zu überbringen, dass ein neuer Term begonnen hat).
Das ist wohl auch der Grund dafür, dass spontan beschlossen wurde, in der ersten Woche (natürlich) keinen Unterricht zu machen, sondern nur songs and rhymes zu teachen. Eine Aufgabe, die selbsterklärenderweise nicht dazu gedacht war, von den Lehrern übernommen zu werden. Arbeiten verboten (tut manchmal weh)!
Wenigstens bekam Sofie einen unverfälschten Eindruck des ghanaischen  Arbeitsgefühles, den wir allerdings beschlossen, auf keinen Fall so stehen zu lassen.
Im Klartext: eine Unterrichtsplanung war notwendig.
Da Larissa ihren halben Hausrat zurückgelassen hatte, als sie gestern Abend nachhause flog, unter dem sich auch einige Utensilien für Kinderbespaßung und -belehrung befanden, musste erst einmal eine Bestandsaufnahme gemacht werden.
Ergebnis: wir haben Stifte. Und zwar sehr viele Stifte...
Aber damit wissen wir schon was anzufangen. Zwei motivierte Freiwillige sind immer besser als einer, der schon seit gefühlten Ewigkeiten unter einer Blasenentzündung leidet und deswegen sowieso nur bedingt einsetzbar ist.
Aber das wird schon oder wie sagt der ghanaische Lieblingssatz?
Everything will be fine in the end.
Und wenn es nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende.

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Aufgrund meines letzten, zugegebenermaßen ein wenig impulsiven, Blogeintrags, habe ich heute Morgen ein langes Gespräch mit RGV Deutschland geführt, das in einer ungemein klärenden Unterhaltung mit William mündete und mir half, ihn noch ein bisschen besser zu verstehen.
Ich werde meine vorausgegangenen Gedanken bezüglich der Organisation jedoch nicht revidieren, da ich jeden einzelnen Satz so gemeint habe.
Es ist vielleicht an der Zeit, mich mit der Frage auseinanderzusetzen, was dieser Blog ursprünglich sein sollte und was er nun geworden ist bzw. dabei ist zu werden.
Er sollte eine Informationsplattform für die Freunde und Familienmitglieder werden, deren "Ach, du bist in Ghana. Und wie ist es so?" - Fragen ich aus Zeit- und Motivationsgründen (ich meine, ich bin nur einmal in meinem Leben in Ghana, da muss ich nicht pausenlos am Handy hängen) nicht beantworten kann.
Nicht mehr und nicht weniger.
Und zu meinem halbjährigen Aufenthalt hier gehören nun mal Gefühle und subjektive Ansichten dazu, deren Erwähnung absolut notwendig sind, um ein vollständiges Bild meines neuen Lebens zu liefern. Und trotzdem wird es nicht reichen. Selbst wenn ich alle Worte der Welt benutzen und noch ein paar Dutzend Neue erfinden würde, werde ich niemals auch nur irgendwem begreiflich machen können, wie es ist, hier zu sein, zu leben und zu reisen.
Te ase ne tu kwan.
Das hier soll keine Rezension für RGV werden - weder im Positiven noch im Negativen. Es ist eine tagtägliche Momentaufnahme, die beschreibt was ich erlebe, sehe, fühle und denke.
Vielleicht ist es notwendig, dass ich das noch einmal erwähne. Für alle, die da scheinbar anderer Meinung sind und um Missverständnissen vorzubeugen.
Ob das nun fair ist oder nicht, bleibt dem werten Leser überlassen.
Ich kann niemandem vorschreiben,was er aus dem macht, was ich zu sagen habe.
Aber ich werde mir die Freiheit herausnehmen zu schreiben, was ich denke, solange ich noch Worte habe.
Heute Abend steht eine Spielepartie mit William an, da wir beschlossen haben, sich besser kennen zu lernen ist die einzige Lösung der meisten Probleme im Studenthouse.
Kommunikation ist der Schlüssel und auch wenn das dazugehörige Schloss eingerostet ist, gibt es immer einen Weg, es zu öffnen.

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Ich muss mich korrigieren:
Lina flog erst gestern Abend, was den Abschied aber nicht weniger traurig machte.
Aufgrund der Blitzeisverhältnisse in Deutschland konnte ihr Flugzeug nicht landen, sodass dem ghanaischen Flughafenpersonal nach einigen Stunden Bedenkzeit auffiel, sie könne nicht fliegen.
Was tun, sprach Zeus?
Hotel mit ewig viel Gepäck erschien unsinnig, also zurück ins Studenthouse.
Man könnte sich denken, dass William sich wenigstens ein bisschen für ihre Situation interessiert, sich nach ihrem Befinden erkundigt oder die 40 Cedi für das Taxi bezahlt hätte.
Aber nein, nichts dergleichen war der Fall.
Was irgendwo die Frage aufwirft, wie qualifiziert er für diesen Job ist, wenn er ein vollkommen aufgelöstes Mädchen vor sich hat und aus empathischer Unfähigkeit einfach rumschreit.
Gut, später tut es ihm Leid (auch wenn er das nicht zeigen kann und das höchste an Gefühlen eine knappe Handbewegung mit dazugehörigem Nicken ist), aber irgendwie scheint mir das doch nicht so ganz das Gelbe vom Ei zu sein.
Es war einer dieser Momente, wo ich mit vollster Überzeugung jedem davon abraten würde, mit RGV auch nur irgendwo hinzureisen.
Andere waren zum Beispiel die Sache mit dem Visum, die sich nun soweit ausgeweitet hat, dass Joyce mit ihrem 10monatigen Aufenthalt eine working permission für 150 Dollar beantragen muss (zusätzlich zu über 300€ Visum für 12 Monate aus Deutschland beantragt, zusätzlich zu 150 Cedi für die ersten verlängerten drei Monate).
RGV hat von alldem "noch nie etwas gehört." Magdalena, unsere ursprüngliche Ansprechpartnerin, hat kurzerhand ihre Arbeit an den Nagel gehangen und ist unerreichbar.
Es nimmt und nimmt kein Ende.
Alfred, der gefeuert wird, ohne dass wir über irgendetwas informiert und nur vor vollendete Tatsachen gestellt werden.
Die Unwissenheit, in der die Neuankömmlinge, ebenso wie ich, in den ersten Tagen gelassen werden. Die Fragen, die so diffus sind, dass man sie eigentlich keinem stellen kann. Wo bin ich hier gelandet? Bin ich hier richtig? Kann man irgendwo noch umsteigen? Vielleicht ein Abteil weiter hinten?
Nach vorne ist der einzige Weg. Und der Zeitexpress rast über die ghanaischen Gleise. Der Absprung wird wehtun.

Was alles nicht bedeuten soll, ich würde meine Zeit hier nicht genießen.
Denn das tue ich. In vollen Zügen.
Nur dass manches in diesem Saftladen nicht ganz so viel Sinn ergibt.
Genauso wie die Überschrift dieses Blogartikels...

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Auf wundersame Art und Weise hat es sich eingebürgert, allen Freiwilligen, die das Studenthouse verlassen, ein kleines Abschiedsgeschenk zu machen. Von To Do Listen, was sie in Deutschland unbedingt erledigen müssen, über ghanaische Rätsel wurde gestern eine Citytour der besonderen Art für Lina veranstaltet, die die riesengroße Frechheit besitzt, nach einem Monat einfach schon wieder abzureisen. Dass die Schule für ihre Krankenschwesterausbildung am Montag wieder anfängt, ist meiner Meinung nach ein Grund aber kein Hindernis!
Deswegen beschlossen wir, dass sie sich ihren Abschied erst verdienen müsse und zwar mittels einer adventskalenderartigen Karte, hinter deren Türchen sich zehn Aufgaben befanden. Darunter zum Beispiel, durch die Gänge des Art Markets laufen ohne von diversen Händlern angesprochen zu werden, ordentlich verhandeln, den Weg zum Independence Square ohne unsere Hilfe finden und dort einige Fragen beantworten. Ursprünglich wollten wir noch zum Strand, um unsere Wünsche auf Steine zu schreiben und diese im Meer zu versenken, was sich aber als schwierig gestaltete, da wir den Independence Square aufgrund von Aufbauarbeiten für die überaus pünktliche Victory Speech des Wahlsiegers Nana am Samstag nicht überqueren durften.
We improvised, um in Games Worten zu sprechen und nutzen ein paar ausgediente Pflastersteine, um unsere Wunschgedanken darauf zu kritzeln und schließlich ordentlich aufgereiht am Rande eines Blumenbeetes zurückzulassen.
Wer uns beobachtet hätte, hätte wohl einen Haufen verrückte obrunis gesehen, die verrückte Dinge taten und sich in der Annahme bestätigt gefühlt, dass wir doch alle einen Sprung in der Schüssel haben.
Das obligatorische Abschlusseisessen im Pinocchio durfte natürlich nicht fehlen, wo unser allerletztes Gruppenfoto entstand.

Aus gegebenem Anlass eine kurze Ergänzung der Vorstellungsrunde:

Lina: seit Jessys Verschwinden die neue Krankenschwester im Haus, ist eigentlich ziemlich rational unterwegs, es sei denn es knallt (in ihren eigenen Worten) mal wieder durch, dann ist sie für alles zu begeistern und verbreitet mehr gute Laune als ein Clown am Feiertag (für die, die meine Tante kennen - sie erinnert mich sehr an sie), ihre Abreise heute wird alles andere als leicht

Vicky: wohnt eigentlich nur übergangsweise bei uns, da ihr Journalismusprojekt, das irgendwie doch keines ist, in Nima ist und sie nach dort umziehen will (ein Wunsch, der ihr wahrscheinlich mit ghanaischer Pünktlichkeit erst gewährt werden wird, wenn sie schon längst wieder in Deutschland ist), stellt passend zu ihrem Tätigkeitsfeld so viele Fragen, dass man sich manchmal vorkommt wie in einem Kreuzverhör, jedoch auch dazu bewegt wird, alles einmal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten

Vorgestern sind die ersten neuen Freiwilligen dieses Jahres angekommen und es geht kontinuierlich weiter.
Aus der beschaulichen 6er-WG entwickelt sich langsam aber sicher erneut eine Großfamilie, die zwar weniger Privatssphäre aber doch auch mehr Leben mit sich bringt.

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Kokrobite - ein Ort der Schönheit, des Surfens und der afrikanischen Stände mit Musikinstrumenten, Kunstwerken und Schnitzereien.
Das war die Annahme, mit der Caro und ich uns gestern Morgen ins Trotro Richtung Circle, der chaotischsten Taxi- und Trotrostation, die dieser Planet je gesehen hat, an der von toten Hühnern über brandneue Smartphones so gut wie alles verkauft wird, begaben.
Aber irgendwie gestaltete sich alles an diesem Tag etwas schwieriger als normalerweise.
Zuerst fanden wir kein Trotro, dass uns unserem Zielort näherbringen wollte und als wir dann letztendlich doch eins fanden, das wenigstens in die richtige Richtung fuhr, war dieses komplett leer. Das hieß: warten...immer noch alleine...warten...es steigt einfach keiner zu...warten...langsam ungeduldig werden...nach einer Stunde endlich losfahren.
Als wir dann, nachdem wir noch ein Stückchen mit dem Taxi durch die Gegend gegurkt waren, in Kokrobite ankamen, erwartete uns die nächste Enttäuschung: kein einziger Stand war zu sehen. Und damit meine ich nicht geschlossen sondern einfach nicht vorhanden. Erst in einer Woche ginge der ganze Spaß wieder los.
Aber wer macht sich denn die Arbeit, einen ganzen Wellblechkarton (als etwas anderes kann man diese architektonischen Meisterwerke wirklich nicht bezeichnen) abzubauen und ein paar Tage später wieder aufzubauen? Wir sind hier doch nicht auf dem Weihnachtsmarkt!
Später wurden dann noch wahllos ein paar Kleidungsstücke in die Bäume gehängt, die aber entweder für Menschen mit Wespentaille oder Giraffenbeinen gemacht worden waren.
Ein wenig enttäuscht, versuchten wir dann doch das Beste aus der Situation zu machen und genossen noch einen sehr idyllischen Strandtag zwischen Fischerbooten, die eindeutiger BVB - Fan waren und hömmele Ghanaern, die uns heiraten wollten oder uns ihre gesamte Lebens- und Leidensgeschichte samt sexueller Interessen, Probleme und Kompetenzen erläuterten.
My name is Patrick and I have a problem. Hello Patrick... Manchmal fragt man sich wirklich, was sich so manche Leute denken.
In Deutschland hätte mich eine fast dreistündige Anreise für nichts und wieder nichts wahnsinnig und zum Explodieren gebracht, aber hier nimmt man mit Gleichmut alles so hin, wie es gerade kommt. Und kommt es mal nicht so, wie geplant, dann freut man sich, weil keinen Plan zu haben, immer noch um einiges aufregender ist, als immer genau zu wissen, was als nächstes passiert.

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